Zisch, der 992 GT3 RS ist da

Nach dem GT3 kommt der GT3 RS. Ist doch schön, wenn man weiß was kommt. Ähnlich wie bei Bayern München, da weiß man ja auch schon vorher, dass es wahrscheinlich ein Sieg wird. Aber manche Spiele machen einfach mehr Spaß, so wie das Spiel gegen Mönchengladbach, als die Spannung mit jeder Minute und jeder Mega-Parada von Jan Sommer im Gladbacher Tor stieg. Ein grandioses Spiel (welches Bayern übrigens nicht gewinnen konnte), es war einfach geil anzuschauen.

Als ich die ersten Pressefotos des neuen GT3 RS gestern gesehen habe, ging es mir ähnlich wie bei besagtem Spiel. Ich dachte mir, holy moly wie schön extrem ist der denn geraten? Oder wie Willi Kauhsen in seinem Aachener Dialekt sagen würde „Datt is pärfäähkt!“ Das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien bei der WM 2014 war auch so ein Spiel wie das 1:1 vor eineinhalb Wochen. Das ist jetzt schon 8 Jahre her, aber man erinnert sich einfach an dieses tolle Spiel.

Natürlich ist mir der neue GT3 RS zu groß und zu schwer. Wenn man kleine agile Autos der 70er Jahre liebt, dann ist die 992er Basis einfach ein Kreuzer und eben kein Rennboot. Mit all dem Karbon und Leichtbau wird das Auto dann vielleicht eine Fregatte auf Steroide, aber immer noch kein wendiges kleines Rennboot. Wenn man das Auto in allen Dimensionen um 15% schrumpfen würde, dann wäre es genau mein Ding. Dieser ganze Aerodynamik-Aufriss sieht einfach nach großem Kino aus. Und wenn man in der Pressemitteilung Zahlen liest wie 409 kg Gesamtabtrieb bei 200 km/h und 860 kg bei 285 km/h, dann denkt man hoppala, die bei Porsche in der der GT-Abteilung meinen es ernst. Allein diese scharfkantigen Flaps, da fragt man sich schon, wieso die TÜV-Leute damals beim RS 2.7 so einen Aufstand geprobt haben. Wenn ich so die seitlichen Blades hinter den vorderen Radhäusern bestaune, damit könnte ich ja beim Driften im Garten gleich meinen Rasen mähen.

Aktive Flügelelemente, die sich bei Geradeausfahrt flach stellen und sich beim Bremsen als Air-Brake aufstellen, klingen nach High-Tech und werden bei Porsche Drag Reduction System (DRS) genannt. Ganz ohne 3-Buchstaben-Kürzel scheint’s halt in der Marketingabteilung nicht mehr zu gehen. Was ich in der Pressemitteilung vermisst habe: die exakte Dauer von Flügel flach bis Flügel senkrecht. Reden wir von 0,3 Sekunden? Oder 0,1? Oder noch weniger? Im Video mit Andy Preuninger kann man die Aktivierung des Heckflügelelements kurz sehen. Die Betätigung scheint hydraulisch gelöst zu sein.

Dank einer Vielzahl von Leichtbaumaßnahmen wie dem ausgiebigen Einsatz von CfK wiegt der 911 GT3 RS trotz vieler größer dimensionierter Bauteile nur 1.450 Kilogramm (Leergewicht nach DIN).

Porsche Pressemitteilung vom 17. August 2022

Das ganze Gerät mit all seinen vom Cockpit aus verstellbaren Dämpferraten wiegt 1450 kg nach DIN – und zwar in der leichtesten Konfiguration. Ob das Weissach Paket mit seinem aus Karbon gefertigten Überrollkäfig die leichteste Konfiguration darstellt, geht nicht ganz aus der Mitteilung hervor. Jedenfalls soll der Karbonkäfig 6 kg leichter sein als das Stahl-Pendant vom aufpreisfreien Clubsport-Paket. Die geschmiedeten Magnesium-Felgen bringen eine Ersparnis von 8 kg. Das ganze kostet dann mit 7-Gang PDK und 525 Saugmotor-PS 229.517,00 Euro inkl. der hierzulande gültigen 19% Mehrwertsteuer.

Der 992 GT3 RS hat sich eine tiefe Kerbe in mein Brett geritzt, weil er so schön extrem geraten ist. Ich werde zwar nie verstehen, warum ein zweisitziger, puristischer Sportwagen mit so viel Leichtbau (selbst die Aufhängungsteile sind beim GT3 RS spezifisch, aerodynamisch geformt und teilweise aus Karbon) immer noch 1450 kg wiegen muss, aber ich feiere jeden Sportwagen der 9.000 Umdrehungen dreht und so gut aussieht. Mal schauen, ob ich ihn bald zu fahren bekomme.

Und was hat der Willi Kauhsen damit zu tun? Der war in den 70ern Porsche Werksfahrer, fuhr den 917, schaltete bei 8200 und hat bei Karsten Arndts Alte Schule einen Podcast gesprochen, der so irre entertaining ist, dass ich ihn einfach erwähnen muss.

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